Windpark Dam
Windpark Boscherhausen fertiggestellt: ein weiterer Schritt in Richtung der Industrialisierung unserer Grenzlandschaft, Juni 2026
Mit der Fertigstellung der beiden Windkraftanlagen bei Dam ist der Windpark Boscherhausen in der Gemeinde Niederkrüchten nun Realität geworden. Erneut hat sich das Grenzgebiet grundlegend verändert. Wo die Anwohner jahrelang eine offene und wertvolle Landschaft genossen haben, entstehen nun immer mehr Windkraftanlagen.
Was jedoch vor allem Fragen aufwirft, ist die Art und Weise, wie über dieses Projekt kommuniziert wurde. Während der Genehmigungs- und Anhörungsverfahren war stets von zwei Windkraftanlagen die Rede. Dass es sich tatsächlich um eine Erweiterung eines bestehenden Windparks in der Nähe von Bönnesohl handelte, wurde geleugnet. Durch diese Salamitaktik konnte die UVP-Pflicht umgangen werden.
Die 'Verspargelung'' der Landschaft schreitet weiter voran
Wie bereits erwähnt, ist Boscherhausen kein Einzelfall. Innerhalb kurzer Zeit hat die Zahl der Windkraftanlagen in der Gemeinde Niederkrüchten stark zugenommen. Zunächst entstanden Anlagen bei Oberkrüchten, dann folgte der Windpark Niederkrüchten bei Bönnesohl, und nun sind die beiden neuen Anlagen von Boscherhausen hinzugekommen.
Dadurch verändert sich die Landschaft der deutsch-niederländischen Grenzregion rasant. Wo früher Waldränder, offene Felder und Naturschutzgebiete das Bild prägten, dominieren zunehmend industrielle Energieanlagen den Horizont.
Befürworter sprechen von der Energiewende. Gegner sehen vor allem eine fortschreitende „Verspargelung“ der Landschaft: eine immer weiter voranschreitende Verstädterung und Industrialisierung eines Gebiets, das gerade wegen seiner Weite, seiner natürlichen Werte und seiner Bedeutung für die Erholung etwas Besonderes ist.
Und damit sind die Pläne noch nicht zu Ende. Auf dem ehemaligen Flugplatz Elmpt gibt es nach wie vor Pläne für den Bau von fünf Megaturbinen mit einer Höhe von über 250 Metern.
Mehr Windkraftanlagen, aber kaum mehr Ertrag
Gleichzeitig wachsen die Zweifel am Nutzen eines immer weitergehenden Ausbaus der Onshore-Windenergie.
Aktuelle Analysen von Professor Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und Professor Sigismund Kobe zeigen, dass Deutschland zwischen 2020 und 2025 Tausende neuer Windkraftanlagen in Betrieb genommen hat. Die installierte Leistung stieg stark an, doch die tatsächliche Stromerzeugung aus Windkraft blieb nahezu unverändert (Quelle: Welt, Mai 2026, Das große Windstrom-Rätsel der deutschen Energiewende).
Die deutsche Windstromproduktion lag 2025 in etwa auf dem gleichen Niveau wie 2020. Den Forschern zufolge nimmt die Effizienz weiterer Ausbauten ab, und es sind Anzeichen einer Sättigung erkennbar. Neue Anlagen werden zunehmend an Standorten errichtet, die weniger windreich sind, während auch Netzengpässe und gegenseitige Beeinflussungen von Windparks eine Rolle spielen.
Es stellt sich daher die Frage, wie viel Natur und Landschaft noch geopfert werden muss für einen Ausbau, der immer weniger zusätzlichen Strom liefert.
Engpassprobleme nehmen zu
Auch die Probleme im Stromnetz werden immer deutlicher. Der Energieexperte Martin Visser wies kürzlich auf die gravierenden Engpassprobleme in Nordrhein-Westfalen hin. Für neue Industrieprojekte im Rheinland drohen Netzanschlüsse erst Mitte der 2030er Jahre verfügbar zu werden.
Diese Situation zeigt, dass der Ausbau der Produktionskapazitäten viel schneller voranschreitet als der Ausbau des Stromnetzes. Neue Windparks lösen dieses Problem nicht und können den Druck auf das Netz sogar noch weiter erhöhen.
Keine Windkraftanlagen im Vogelschutzgebiet Elmpt
Vor diesem Hintergrund gibt es umso weniger Grund, auch den ehemaligen Flugplatz Elmpt mit neuen Mega-Windkraftanlagen zu überbauen.
Das Gebiet hat eine besondere Bedeutung für die Natur, die Vogelwelt und die Landschaft. Es ist Teil eines wertvollen grenzüberschreitenden Naturschutzgebiets, das Schutz verdient, anstatt weiter industrialisiert zu werden.
Grünes Grenzland ist daher weiterhin der Ansicht, dass im Vogelschutzgebiet Elmpt kein Platz für Windkraftanlagen ist. Die Erfahrungen mit Boscherhausen zeigen, wie schnell die Beeinträchtigung der Landschaft voranschreitet und wie wichtig es ist, jetzt klare Grenzen zu setzen.
Die Energiewende darf kein Freibrief für die schrittweise Zerstörung von Natur- und Landschaftswerten sein. Gerade in einer Region, die für ihren einzigartigen grünen Charakter bekannt ist, müssen der Erhalt der Landschaft, der Artenvielfalt und der Lebensumgebung an erster Stelle stehen.
Stellungnahme für unbegründet erklärt, 29. April 2024
Leider hat der Kreis Viersen die Einwände gegen die geplanten Windräder in Dam für unbegründet erklärt. Der Kreis begründet seine Ablehnung unter anderem damit, dass solange das Ziel der Regierung, 1,8 Prozent der Fläche in NRW mit Windenergieanlagen zu bebauen, noch nicht erreicht wurde, eigentlich alles ohne Detailprüfung genehmigt werden müsste. Außerdem führt der Kreis an, dass die beiden geplanten Windkraftanlagen zwar in geringer Entfernung zu einem Landschaftsschutzgebiet geplant sind, dies aber nur dann ein stichhaltiges Argument wäre, wenn es sich auch um ein Natura-2000-Gebiet handeln würde. Die Argumentation in Bezug auf die UVP-Pflicht, was als Windpark gilt und was nicht, sowie auf die faunistischen Aspekte scheint allen Beteiligten zu kurz gegriffen. Nach Rücksprache mit dem Anwalt wurde beschlossen, keine weiteren rechtlichen Schritte einzuleiten.
Stellungnahme eingereicht
Die Pläne für den Bau von zwei neuen Windkraftanlagen in der Nähe von Dam können bis zum 5. Januar 2024 im Rathaus von Niederkrüchten eingesehen werden. Diese werden über 200 m hoch sein. Die Anlagen sollen südlich des Gewerbegebiets Dam in der Nähe der Abgrabung Mevissen errichtet werden. Einwendungen können bis einen Monat nach der öffentlichen Auslegung, also bis zum 5. Februar 2024, beim Kreis Viersen eingereicht werden.
Wir haben einen ersten Einspruch beim Kreis Viersen eingelegt, siehe hier.
